Webstühle in Epfenbach

Noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts gab es im Ort um die 30 Webstühle, auf denen Leinentuch (aus selbstgesponnem Garn) hergestellt wurde.
Im jährlichen Mitteilungsblatt des Heimatvereins vom Dezember 1983 erschien ein Bericht über "s Webheisl" in der Froschau, den man hier nachlesen kann.


Der letzte Epfenbacher Webstuhl diente dem Nationaltheater Mannheim für die Aufführung "Die Weber" von Gerhart Hauptmann als Dekoration, bis er dem Fliegerangriff im Jahr 1943 zum Opfer fiel, als auch das Theater vollständig zerstört wurde.

Epfenbacher Webstuhl im Theater

Um dieses örtliche Handwerk im Museum präsent zu halten, kaufte der Verein 1968 einen Webstuhl von einer Familie aus Schlesien.
Dieses Gerät wurde 1946 gebaut, war bis 1960 im Gebrauch und diente zum Weben von "Lumpenteppichen" , war also nicht zur Leinenweberei bestimmt. Der Erhaltungszustand wurde als mangelhaft beschrieben.

Wenn auch nichts näher über diesen Webstuhl bekannt ist, könnte seine Geschichte etwa so aussehen:

Die Familie floh am Kriegsende 1944/45 aus Schlesien in den Westen. Um den Lebensunterhalt zu sichern, führte man das erlernte Handwerk, das schon in der alten Heimat Lohn und Brot sicherte, fort: die Weberei. Dazu musste zunächst ein Webstuhl beschafft werden, den man vielleicht in einem Zimmereibetrieb zweckmäßig aus Vierkantholz herstellen ließ. Wichtig war die Funktionalität, weniger ein schönes Aussehen. Und so konnte man im Jahr 1946 mit dem Weben von Lumpenteppichen beginnen. Das waren zur der Zeit beliebte Auflagen für den kalten Fußboden, erst später zur Zeit des beginnenden wirtschaftlichen Aufschwunges konnten sich die Leute wieder "richtige" Teppiche und Auslegware leisten.

Webstuhl vor der Neueinrichtung

Wie dieser Webstuhl wieder funktionsfähig wurde, kann man hier nachlesen.