(Nachdruck aus "700 Jahre Epfenbach", mit freundlicher Genehmigung von Autor und Herausgeber)

Steinbeilfund in Epfenbach

Jahrtausende vor der historisch belegten Zeit des Dorfes zeigt unsere Gemarkung bereits Spuren menschlichen Lebens. Dies beweist ein bedeutender Fund, der um das Jahr 1920 auf dem Anwesen des Zimmermanns Heinrich Ernst in Epfenbach an der Straße nach Waldwimmersbach (heute Friedhofstraße 17 und 19) gemacht wurde. Weil hinter dem Haus ein befahrbarer Zugang geschaffen werden sollte, musste ein Teil des Hanges zum "Knappenjockei" (Gewann) abgetragen werden. Die Erdmassen dienten damals, wie man weiß, zur Einebnung des Fußballplatzes am Wimmersbacher Weg. Bei diesen Erdbewegungen fand die Familie Ernst einen ungewöhnlichen Basaltstein, den sie für einen Meteorstein hielt. Durch Vermittlung des damaligen Hauptlehrers Wilhelm Wolff wurde das Fundstück von Professor E. Wahle in Heidelberg untersucht mit folgendem Ergebnis:

"Schmalnackiges Steinbeil aus der Jungsteinzeit, etwa 5000 Jahre alt,
mit abgerundeten Schmalseiten und starken Gebrauchsspuren an der Schneide".


SteinbeilAm 2. April 1926 wurde es dem Kurpfälzischen Museum Heidelberg übergeben, was durch ein Schreiben des Heidelberger Oberbürgermeisters vom 7. April 1926 bestätigt wird, in dem dieser sich bei Heinrich Ernst für das "als Geschenk überwiesene Steinbeil" bedankt (eine Nachbildung liegt im Heimatmuseum).

Im gleichen Jahr wurde der Fund im Amtlichen Nachrichtenblatt für ur- und frühgeschichtliche Forschung (Badische Fundberichte, Heft 6, Nov. 1926, S. 196) aufgenommen, desgleichen auch im zusammenfassenden Sonderheft 10 der Badischen Fundberichte von 1967. Weitere Fundstücke wie auch genauere Fundumstände sind nicht festgehalten oder bekannt. Wir müssen deshalb von einem Einzelfund ausgehen, dessen Bedeutung erheblich ist. Zwar gibt er noch keinen Hinweis auf eine naheliegende Steinzeitsiedlung, doch wird eindeutig bezeugt, dass unser Gebiet streifzugartig von den Steinzeitbewohnern aufgesucht und genutzt worden ist. Dies bestätigt auch eine Reihe weiterer Steinbeilfunde in der näheren Umgebung (z. B. Spechbach, Lobenfeld, Mauer, Königstuhlbereich). Die Archäologische Karte für die Stadt- und Landkreise Heidelberg und Mannheim zeigt Fundstellen von jungsteinzeitlichen Siedlungen lediglich im Bereich der Ebene, der Gebirgsränder und besonders im Gebiet des Neckarschwemmkegels (Heidelberg, Schlierbach, Neckargemünd). Die Bergbereiche und die feuchten, sumpfigen Bachniederungen boten offensichtlich zu geringe Voraussetzungen für Siedlungen.

Solche Siedlungen sind das charakteristische Kennzeichen der sogenannten Jungsteinzeit. Sie ist die dritte Epoche der Menschheitsgeschichte, die wir zwischen 3500 und l 800 v. Chr. ansetzen. Vorausgegangen sind die Altsteinzeit und Mittelsteinzeit, und es folgten die Bronze- und Eisenzeit.

Mit der Jungsteinzeit begann ein neuer, bedeutender Abschnitt der Menschheit: das Klima wurde milder, das Gletschereis wich zurück. Aus den bis dahin umherziehenden Horden (Jäger und Sammler) wurden sesshafte Bauern, die Gerste und Weizenarten anbauten, in Siedlungen sesshaft wurden - zumindest für einige Jahre -, Haustiere hielten und Viehzucht kannten (Hund, Rind, Ziege, Schaf, Schwein). Funde bezeugen, dass überall auch keramische Gefäße und Töpfe (Bandkeramische Kultur mit vielen Unterkreisen) aus Tonerde geformt und gebrannt wurden.

Mit dem Steinbeil hat der Mensch der Urzeit eines der wichtigsten Werkzeuge und Geräte erfunden. Durch eine verfeinerte Technik des Bearbeitens von Gesteinen wurde es stets verbessert: zugeschlagen, geschliffen und bald mit hölzernem Stiel (Schaft) verbunden, später auch durchbohrt. Es wird deshalb unterschieden in undurchlochte Steinbeile und durchlochte Steinäxte, die als Waffen (Streitäxte) oder als Arbeitsgeräte (Steinhämmer) dienten.

Zeittafel
< Eiszeit
Nacheiszeit (= Gegenwartszeitalter) >

Altsteinzeit

1 Mill. - 10.000

Mittelsteinzeit

10.000-3.500

Jungsteinzeit

3.500-1.800

Bronzezeit

1.800-800

Eisenzeit

800 v.Chr.bis heute

Homo Heidelbergensis
um 500.000

Neandertaler Mensch
um 100.000

Faustkeil
Steinbeil
Werkzeuge aus
Bronze
Werkzeuge aus Eisen
Schweifende Horden Jäger, Sammler
Nomadentum
Sesshaftwerden, Ackerbau, Viehzucht

Steinbeil und Steinaxt haben vielfache Verwendung gefunden. Sie dienten nicht nur zum Fällen der Bäume, sondern leisteten auch beim Bau der Hütten aus Holz und Lehm, beim Anfertigen von Einrichtungsteilen und bei der Pflanzenkultur große Hilfe.

Diese Fähigkeiten des Menschen ermöglichten den Schritt vom Jäger und Sammler zum Ackerbauer und Viehzüchter, einer der wichtigsten Umwälzungen in der Menschheitsgeschichte seit der Zähmung des Feuers, in der Bedeutung vergleichbar mit der Erfindung der Dampfmaschine zu Beginn des Industriezeitalters.

Der Fund des Steinbeils in Epfenbach gibt uns also einen Einblick in ur- und frühgeschichtliche Kontinuität, die noch erweitert werden kann durch den weltberühmten Fund des menschlichen Unterkiefers in unserer Nachbarschaft Mauer (Homo Heidelbergensis), der bezeugt, dass vor einer halben Million von Jahren neben zahlreichen Tierarten auch schon der Mensch in unserer Heimat gelebt hat.

                                                                                  Herbert Arnold
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