Verein für Heimapflege EPFENBACH e.V.
Anno 1965

2. Stockwerk des Museum

Da fällt erst einmal die Vorratskammer auf, die der Selbstversorgung diente. Nur Salz, Zucker und Leuchtöl wurden beim Krämer gekauft, sonst war die Familie autark, die Hausfrau musste einteilen, um übers Jahr zu kommen. Ein Rauchhaus ist zu sehen. 

Dem Thema "Vom Flachs zum Wäscheschrank" sind zwei Räume gewidmet. In Mittelpunkt des ersten Raums ist ein funktionierender Webstuhl aufgestellt. "Wäsche aus alter Zeit" ist hier zu sehen, insbesondere Leibwäsche. Hier wird der umfangreiche Arbeitsbereich der Hausfrau mit den bescheidenen Mitteln, die früher zur Verfügung standen, besonders deutlich: Auch im zweiten Raum ist Wäsche und Waschen das Thema.

 "Wer gut angezogen sein wollte, musste fleißig sein"

Das Durchgangszimmer zeigt einen Blick in die 60er Jahre, und in einem weiteren Raum wird die Entwicklung der Landwirtschaft von 1800 bis 1985 gezeigt unter dem Motto:

"Der Weg aus dem Hunger in den Überfluss" 

Nebenan sind Arbeiten aus der Werkstatt einer Zimmerei zu sehen.

Der Webstuhl

Noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts gab es im Ort um die 30 Webstühle, auf denen Leinentuch (aus selbstgesponnem Garn) hergestellt wurde. Im jährlichen Mitteilungsblatt des Heimatvereins vom Dezember 1983 erschien ein Bericht über "s Webheisl" in der Froschau. Der letzte Epfenbacher Webstuhl diente dem Nationaltheater Mannheim für die Aufführung "Die Weber" von Gerhart Hauptmann als Dekoration, bis er dem Fliegerangriff im Jahr 1943 zum Opfer fiel, als auch das Theater vollständig zerstört wurde.

Um dieses örtliche Handwerk im Museum präsent zu halten, kaufte der Verein 1968 einen Webstuhl von einer Familie aus Schlesien.
Dieses Gerät wurde 1946 gebaut, war bis 1960 im Gebrauch und diente zum Weben von "Lumpenteppichen" , war also nicht zur Leinenweberei bestimmt. Der Erhaltungszustand wurde als mangelhaft beschrieben.

Wenn auch nichts näher über diesen Webstuhl bekannt ist, könnte seine Geschichte etwa so aussehen:

Die Familie floh am Kriegsende 1944/45 aus Schlesien in den Westen. Um den Lebensunterhalt zu sichern, führte man das erlernte Handwerk, das schon in der alten Heimat Lohn und Brot sicherte, fort: die Weberei. Dazu musste zunächst ein Webstuhl beschafft werden, den man vielleicht in einem Zimmereibetrieb zweckmäßig aus Vierkantholz herstellen ließ. Wichtig war die Funktionalität, weniger ein schönes Aussehen. Und so konnte man im Jahr 1946 mit dem Weben von Lumpenteppichen beginnen. Das waren zur der Zeit beliebte Auflagen für den kalten Fußboden, erst später zur Zeit des beginnenden wirtschaftlichen Aufschwunges konnten sich die Leute wieder "richtige" Teppiche und Auslegware leisten.

Nun hatte der Verein einen Webstuhl, der mehr oder weniger korrekt aufgestellt wurde, weben konnte man darauf nicht. Er war ein platzfressendes, funktionsunfähiges Fossil in dem Museumsraum, welcher der Darstellung "Wäsche" gewidmet ist.

Die Hilfe kam von Gudrun Freifrau von Gemmingen-Hornberg. Zu ihr hatte der Verein Kontakt aufgenommen, mit ihrer Fachkenntnis und unter Mithilfe örtlicher Handwerksbetriebe wurde die Mechanik ergänzt und angepasst. Sie kam oft nach Epfenbach und zeigte, wie eine Kette aufgelegt wird, die Kettfäden durch die Ösen der Fächer und den Webkamm gezogen werden und die Pedale funktionieren.

Und jetzt kann man den Webstuhl im Museum besichtigen.